Zwei Unternehmen bestellen denselben Werbeartikel am selben Tag für denselben Termin. Beim einen steht die Ware zehn Tage vorher geprüft im Lager, beim anderen trifft sie am Vorabend am falschen Ort ein. Beide Anbieter haben ihre zugesagte Lieferzeit eingehalten.
Das Angebot kommt an einem Freitagnachmittag. Der Artikel passt, der Preis liegt im Rahmen, und unter der Position steht der Satz, auf den der Einkauf wartet: Lieferzeit zwölf Werktage. Bis zum Bedarfstermin sind es fünf Wochen. Die Rechnung geht mit Abstand auf, die Bestellung wird ausgelöst, und im Projektplan bekommt die Zeile einen grünen Haken. An diesem Freitag hat niemand einen Fehler gemacht.
Fünf Wochen später fehlt die Ware. Der Anbieter hat sie zwölf Werktage nach der Druckfreigabe versandt, wie zugesagt, und die Druckfreigabe lag drei Wochen nach der Bestellung. Dazwischen liegt eine Kette aus Vorgängen, die niemand terminiert hatte: Das Logo lag als Bilddatei vor und musste vektorisiert werden, die Marketingleitung war eine Woche auf Reisen, das Muster kam zurück mit einer Anmerkung zur Farbe, und der zweite Andruck brauchte eine neue Freigabe. Der Anbieter hat seine Zusage gehalten. Gehalten hat er sie über eine Strecke, die erst nach der Bestellung beginnt.
Die verbreitete Annahme im Einkauf lautet: Die Lieferzeit im Angebot beschreibt die Zeit zwischen Bestellung und Ware. Sie hält sich, weil sie bei Handelsware zutrifft. Wer einen Bürostuhl bestellt, bekommt genau diese Zusage, und sie stimmt, weil zwischen Bestellung und Versand keine Entscheidung des Kunden mehr liegt. Bei einem veredelten Werbeartikel liegen dort mehrere. Jede davon braucht einen Menschen im eigenen Haus, und keiner dieser Menschen hat einen Termin bekommen, weil im Angebot keiner stand.
Dieser Beitrag zerlegt den Zeitplan eines Werbeartikel-Projekts in seine drei Strecken, benennt für jede den Verantwortlichen und beschreibt, wie sich der Starttermin vom Bedarfstermin rückwärts errechnen lässt. Er behandelt die Rolle des Musters, die vier gängigen Beschaffungswege mit ihrer jeweils eigenen Taktung, die Strecke zwischen Anlieferung und Verwendbarkeit sowie die Zeiten im Jahr, in denen der Markt weniger Kapazität hat, als er zusagt.
Inhalt
9 Kapitel
- 01Die Lieferzeit für Werbeartikel terminiert allein den Hauptlauf
- 02Der Zeitplan entsteht rückwärts vom Bedarfstermin
- 03Der Vorlauf gehört Ihnen und steht in keinem Angebot
- 04Das Muster ist der Prüfstein für alle folgenden Termine
- 05Vier Beschaffungswege ergeben vier verschiedene Lieferzeiten für Werbeartikel
- 06Zwischen Anlieferung und Bedarfstermin liegt der Nachlauf
- 07Die Kapazität des Marktes folgt dem Kalender
- 08Die häufigsten Fehler
- 09Häufige Fragen
Die drei Strecken eines Werbeartikel-Projekts
Wer welche Strecke verantwortet und welche davon im Angebot einen Termin bekommt
Ihr Haus, ohne Termin
der Anbieter, mit Termin
Ihr Haus, ohne Termin
der Tag, der im Haus zählt
Die Lieferzeit für Werbeartikel terminiert allein den Hauptlauf
Die Lieferzeit in einem Werbeartikel-Angebot ist eine Zusage über drei Vorgänge: das Rüsten der Maschine, die Veredelung mit anschließender Kontrolle und den Transport. Sie beginnt mit der erteilten Druckfreigabe und endet an der angegebenen Lieferadresse. Alles, was vor der Freigabe geschieht, und alles, was nach dem Wareneingang geschieht, ist von dieser Zusage nicht erfasst.
Die Spedition kennt diese Dreiteilung seit langem und nennt sie Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf. Der Hauptlauf ist die lange Strecke mit dem festen Fahrplan, Vorlauf und Nachlauf sind die kurzen Wege an beiden Enden, die jeder selbst organisiert. Für ein Werbeartikel-Projekt gilt dieselbe Aufteilung, mit einem Unterschied: Hier sind die beiden Enden häufig länger als die Mitte. Der Vorlauf umfasst Datenaufbereitung, interne Abstimmung, Musterprüfung und Freigabe. Der Nachlauf umfasst Wareneingang, Zählung, Konfektionierung und Verteilung.
Der Grund für die Fehleinschätzung liegt in der Form des Angebots. Ein Angebot beschreibt die Leistung des Anbieters, und die Leistung des Anbieters beginnt mit der Freigabe. Für einen Vorgang im Haus des Kunden kann er keinen Termin zusagen, weil er ihn nicht steuert. Also nennt er ihn nicht. Der Einkauf liest das Dokument als vollständige Auskunft über die Zeit, obwohl es eine vollständige Auskunft über die Haftung ist. Beides fällt selten zusammen.
Die Lieferzeit im Angebot ist eine Zusage über den Hauptlauf. Der Termin, der im Unternehmen zählt, liegt am Ende des Nachlaufs.
Wirtschaftlich zählt dieser Unterschied, weil beide Enden Geld kosten, sobald sie zu kurz geplant sind. Ein zu kurzer Vorlauf führt zu Express, und Express verkürzt den Hauptlauf, also die kürzeste der drei Strecken. Ein zu kurzer Nachlauf führt dazu, dass die Ware am Bedarfstermin im Haus liegt und trotzdem nicht verwendbar ist, weil sie noch sortiert, gezählt oder auf Standorte verteilt werden muss. In beiden Fällen erscheint der Anbieter in der internen Aufarbeitung als Ursache, obwohl seine Zusage gehalten hat.
Ein Frühindikator für eine belastbare Planung lässt sich vor der Bestellung prüfen: Sie können den Tag benennen, an dem die Druckfreigabe spätestens erteilt sein muss, und Sie können die Person benennen, die sie erteilt, wenn die zuständige Person an diesem Tag nicht im Haus ist.
Der Zeitplan entsteht rückwärts vom Bedarfstermin
Ein tragfähiger Zeitplan für Werbemittel wird von hinten gerechnet: vom Tag der Verwendung zum Tag des Projektstarts. Die übliche Richtung ist die entgegengesetzte, weil sie bequemer ist. Wer vorwärts rechnet, addiert eine bekannte Lieferzeit auf das heutige Datum und bekommt ein Ergebnis, das früh genug aussieht. Wer rückwärts rechnet, bekommt ein Datum in der Vergangenheit, sobald das Projekt zu spät begonnen wurde, und genau das ist der Ertrag dieser Rechnung.
Die gängige Erwartung lautet: Solange zwischen heute und dem Termin mehr Zeit liegt als die genannte Lieferzeit, ist das Projekt im Plan. In der Umsetzung zeigt sich etwas anderes. Die Lieferzeit ist der einzige Wert in dieser Rechnung, der feststeht. Vorlauf und Nachlauf sind je nach Haus, Artikel und Jahreszeit verschieden lang, und sie sind niemandem bekannt, der sie nicht einmal gemessen hat. Deshalb liefert die Vorwärtsrechnung ein Ergebnis mit einer Genauigkeit, die sie nicht hat.
Die fünf Schritte darunter sind so geordnet, wie sie zeitlich rückwärts aufeinander folgen. Jeder Schritt endet mit einem Datum, das schriftlich festgehalten wird, und die Summe der fünf Daten ist der Projektplan. Für wiederkehrende Bestellungen lohnt eine Vorlage, in der diese Daten stehen; eine solche Aufstellung gehört zu den Unterlagen, die in der Wissensplattform zu Werbeartikeln und Beschaffung als Checkliste geführt werden, weil sie sich von Projekt zu Projekt kaum ändert.
- 1
Den Bedarfstermin bestimmen, nicht den Liefertermin
Der Bedarfstermin ist der Tag, an dem die Ware am Einsatzort brauchbar bereitliegt: gezählt, geprüft, sortiert und dort, wo sie gebraucht wird. Das ist selten der Tag der Veranstaltung selbst, denn der Aufbau am Messestand oder die Verteilung an mehrere Standorte liegt davor. Notieren Sie diesen Tag zuerst und getrennt vom Veranstaltungsdatum.
- 2
Den Nachlauf abziehen
Rechnen Sie die Arbeit ab, die nach dem Wareneingang im eigenen Haus anfällt: Zählung und Sichtprüfung, das Packen einzelner Sets, der Weitertransport an Filialen oder an den Messebauer. Wer diese Arbeit einmal mitgestoppt hat, kennt den Wert für alle folgenden Projekte. Das Ergebnis ist der späteste Anliefertermin.
- 3
Den Anliefertermin als Termin verlangen
Geben Sie dem Anbieter dieses Datum und lassen Sie sich die Anlieferung darauf bestätigen. Ein zugesagter Anliefertermin ist eine andere Auskunft als eine Lieferzeit in Werktagen, weil er die Kapazitätslage des Werks bereits berücksichtigt. Fällt die Bestätigung ausweichend aus, ist die Kapazität knapp, und Sie erfahren es vor der Bestellung.
- 4
Den Hauptlauf abziehen und das Freigabedatum festschreiben
Vom bestätigten Anliefertermin die zugesagte Lieferzeit abziehen ergibt den Tag, an dem die Druckfreigabe spätestens vorliegen muss. Dieses Datum ist der wichtigste Termin des Projekts, weil an ihm der Produktionsplatz hängt. Tragen Sie es bei allen Beteiligten als Frist ein, mit Namen und Vertretung.
- 5
Den Vorlauf abziehen und den Start setzen
Vom Freigabedatum rückwärts die Zeit für Datenaufbereitung, Musterprüfung und interne Abstimmung abziehen ergibt den Starttermin. Liegt dieser Tag in der Vergangenheit, ist das Projekt bereits zu spät, und die Entscheidung lautet: Artikel wechseln, Menge senken oder Termin verschieben. Diese Entscheidung ist am Anfang billig und am Ende teuer.
Entscheidungsregel aus der Praxis: Verlangen Sie vor jeder Bestellung vier Daten schriftlich, und zwar Freigabedatum, Produktionsende, Versand und Anlieferung. Ein Anbieter, der alle vier nennt, hat den Auftrag bereits eingeplant. Ein Anbieter, der nur eine Spanne in Werktagen nennt, hat ihn noch nicht angesehen.
Der Vorlauf gehört Ihnen und steht in keinem Angebot
Der Vorlauf ist die Zeit zwischen der Entscheidung für einen Artikel und der erteilten Druckfreigabe. In ihm liegen vier Vorgänge: die Beschaffung druckfähiger Daten, die Klärung der Machbarkeit auf dem gewählten Material, die Musterprüfung und die interne Zustimmung aller, die zustimmen wollen. Drei dieser vier Vorgänge finden im Haus des Kunden statt, und der vierte wartet auf ihn.
Das gefährlichste Missverständnis im Einkauf lautet: Der Vorlauf beginnt mit der Bestellung. Er wirkt plausibel, weil die Bestellung der erste Vorgang mit einem Datum ist. Tatsächlich beginnt der Vorlauf mit der Frage, wer entscheidet. Solange das offen ist, laufen Datenaufbereitung und Musterprüfung ins Leere, weil ihre Ergebnisse niemandem vorgelegt werden können. Ein Projekt ohne benannten Entscheider hat keinen Vorlauf, es hat eine Warteschlange.
Die technischen Ursachen dieser Wartezeit sind gut beschrieben, und sie wiederholen sich: fehlende Vektoren, unklare Farbdefinitionen, Motive mit Verläufen auf Verfahren, die keine Verläufe können. Wie diese Kette entsteht und an welcher Stelle sie sich am günstigsten unterbrechen lässt, behandelt der Beitrag zur Veredelung von Werbeartikeln mit Blick auf Budget und Zeit ausführlich. Für den Zeitplan zählt eine Folgerung daraus: Jede Korrekturschleife im Vorlauf kostet keinen Tag, sie kostet den nächsten freien Produktionsplatz.
Ursache: Der Termin drängt, und die Bestellung wirkt wie ein Schritt nach vorn, der schon einmal Sicherheit schafft. Mechanismus: Eine Bestellung ohne freigabefähige Daten erzeugt eine Auftragsnummer und keinen Produktionsplatz, weil das Werk erst mit der Freigabe verbindlich einplant. Auswirkung: Die Wartezeit läuft weiter, wird aber im Projektplan als erledigter Schritt geführt, und der Verzug fällt erst auf, wenn er sich nicht mehr aufholen lässt.
Ein selten benanntes Warnsignal ist ein Satz, der in fast jedem verspäteten Projekt einmal gefallen ist: „Wir bestellen schon mal, die Daten kommen nach.“ Wer ihn hört, weiß, dass der Vorlauf nicht geplant wurde. Die wirksamste Gegenmaßnahme kostet nichts und dauert eine Minute: Der Vorlauf bekommt ein eigenes Startdatum im Projektplan, mehrere Wochen vor dem Datum der Bestellung.
Das Muster ist der Prüfstein für alle folgenden Termine
Ein Muster erfüllt zwei Aufgaben im Zeitplan: Es beantwortet die Frage, ob das Motiv auf diesem Material so aussieht wie geplant, und es zeigt, wie schnell der Anbieter arbeitet, wenn es ernst wird. Die zweite Aufgabe wird selten genutzt und ist die wertvollere. Wer ein Muster anfordert, misst am Rückläufer eine Reaktionszeit, die sich auf den Hauptlauf übertragen lässt.
Unterschieden werden zwei Formen. Ein Vorabmuster zeigt den unbedruckten Artikel und beantwortet Fragen zu Material, Gewicht und Verarbeitung. Ein Pre-Production-Sample, also ein Muster aus der laufenden Vorbereitung, zeigt den Artikel mit der geplanten Veredelung und beantwortet die Frage nach Farbe, Position und Kantenschärfe. Nur die zweite Form entlastet den Termin, weil nur sie eine Abweichung findet, bevor die gesamte Auflage sie trägt.
Die verbreitete Annahme lautet: Bei knapper Zeit spart man das Muster. Sie hält sich, weil das Muster als einziger Posten im Plan sichtbar Zeit kostet und weglassbar aussieht. Der Mechanismus arbeitet in die andere Richtung. Ohne Muster wird die Abweichung bei der Anlieferung entdeckt, also am Ende des Hauptlaufs. Zu diesem Zeitpunkt gibt es drei Wege: die Ware wird angenommen wie sie ist, sie wird nachgearbeitet, oder sie wird neu produziert. Der erste kostet die Wirkung, die anderen beiden kosten einen zweiten Hauptlauf, für den im Plan kein Platz mehr ist.
Setzen Sie die Musterprüfung als eigenen Vorgang mit eigenem Datum an, vor dem Freigabedatum aus Schritt vier. Legen Sie zugleich fest, wer das Muster begutachtet und woran er es misst, denn eine Rückmeldung wie „sieht gut aus“ ist keine Freigabe. Zwei Prüfpunkte genügen für die meisten Artikel: die Farbe im Tageslicht neben der Vorlage und die Lesbarkeit der kleinsten Schrift aus Armlänge.
Ursache: Ein Muster geht an mehrere Beteiligte, und niemand hat ein Datum für seine Rückmeldung bekommen. Mechanismus: Ohne Frist wird die Begutachtung zur Nebenaufgabe und wandert hinter das Tagesgeschäft, während der Produktionsplatz weiter unbesetzt bleibt. Auswirkung: Die gewonnene Sicherheit wird mit einer Verzögerung bezahlt, die größer ist als das Risiko, gegen das das Muster schützen sollte.
Ein Sonderfall, der regelmäßig unterschätzt wird, sind Textilien mit Stickerei. Hier braucht der Anbieter zusätzlich ein Stickprogramm, das aus der Vorlage erstellt und am Material getestet wird, und dieser Schritt liegt vollständig im Vorlauf. Wer Textilien und Bekleidung als Werbeartikel plant, rechnet deshalb mit einem längeren Vorlauf als bei einem bedruckten Kunststoffartikel, und zwar unabhängig von der Menge.
Vier Beschaffungswege ergeben vier verschiedene Lieferzeiten für Werbeartikel
Werbemittel erreichen den Kunden auf vier Wegen, und jeder dieser Wege hat eine eigene Taktung: Lagerware mit Standardveredelung, Lagerware mit aufwendiger Veredelung, Produktion auf Abruf innerhalb Europas und Produktion in Fernost. Der Beschaffungsweg entscheidet darüber, wie lang der Hauptlauf ist, wie stark er schwankt und ob Express überhaupt eine Wirkung hat. Geordnet ist die Aufstellung nach der Länge des Hauptlaufs, beginnend beim kürzesten.
| Beschaffungsweg | Was den Hauptlauf bestimmt | Woran der Termin kippt | Was Express bewirkt |
|---|---|---|---|
| Lagerware, Standardveredelung | Der freie Platz an der Veredelungsmaschine und der Paketversand | Der Artikel ist im Lager knapp, und die Restmenge kommt aus dem nächsten Wareneingang | Spürbar, weil der Transport einen erheblichen Anteil am Hauptlauf hat |
| Lagerware, aufwendige Veredelung | Rüstzeit, Anzahl der Farben, Trocknung und Zwischenkontrolle | Eine Korrektur nach der Freigabe erzwingt neues Rüsten und einen neuen Platz | Begrenzt, weil sich Rüsten und Trocknen kaum verkürzen lassen |
| Produktion auf Abruf in Europa | Das Kapazitätsfenster des Werks und die Mindestmenge | Das zugesagte Fenster wird bei später Freigabe neu vergeben | Gering, weil das Fenster und nicht der Transport der Engpass ist |
| Produktion in Fernost | Fertigung, Seefracht, Zollabfertigung und Binnentransport | Werksferien, Verschiebungen im Seeverkehr, Nachweispflichten beim Import | Nur über Luftfracht, was die Kalkulation des Artikels verändert |
Aus dieser Ordnung folgt eine Regel für die Artikelauswahl unter Termindruck: Je weniger Zeit bleibt, desto weiter oben in der Aufstellung wird gesucht. Ein einfacher Artikel aus dem Lager mit einfarbiger Veredelung ist unter Zeitdruck der sichere Weg, und die Entscheidung dafür fällt am besten früh, solange sie noch eine Wahl ist. Eine Sonderanfertigung nach eigenem Entwurf steht am anderen Ende: Sie beginnt mit Entwurf, Werkzeug und Vorserie und braucht einen Vorlauf, der in Monaten gerechnet wird.
Die operative Konsequenz betrifft das Angebotsgespräch. Fragen Sie den Anbieter zuerst nach dem Beschaffungsweg und erst danach nach der Lieferzeit. Die Antwort „das kommt aus unserem Lager“ und die Antwort „das wird für Sie produziert“ beschreiben zwei verschiedene Risiken, obwohl darunter dieselbe Zahl in Werktagen stehen kann.
Zwischen Anlieferung und Bedarfstermin liegt der Nachlauf
Der Nachlauf ist die Zeit zwischen dem Wareneingang und dem Moment, in dem die Ware am richtigen Ort brauchbar bereitliegt. Er enthält vier Vorgänge, die im Projektplan selten auftauchen: die Annahme und Zählung, die Sichtprüfung gegen das freigegebene Muster, das Zusammenstellen einzelner Sets und den Weitertransport an den Ort der Verwendung. Diese Strecke ist die einzige, die vollständig unter eigener Kontrolle steht und trotzdem regelmäßig ungeplant bleibt.
Die Ursache liegt in der Buchführung des Projekts. Die Anlieferung erzeugt einen Beleg, und ein Beleg schließt im Projektplan eine Zeile ab. Was danach passiert, hat keinen Beleg, weil es interne Arbeit ist. Der Mechanismus ist derselbe wie beim Vorlauf: Vorgänge ohne Dokument bekommen keinen Termin, und Vorgänge ohne Termin finden dann statt, wenn jemand Zeit hat. Die wirtschaftliche Auswirkung zeigt sich am Wochenende vor der Veranstaltung, wenn drei Personen Sets packen, die an einem normalen Arbeitstag zwei Stunden gekostet hätten.
Konkret wird der Nachlauf an einem Beispiel, das sich in vielen Häusern wiederholt. Eine Auflage kommt auf einer Palette am Firmensitz an. Gebraucht wird sie an drei Messetagen in einer anderen Stadt, verpackt in Sets aus drei Artikeln, jeweils mit einer Karte versehen. Zwischen Palette und Standtresen liegen also: Auspacken, Zählen, Prüfen, Sets packen, Kartons neu beschriften, Speditionsauftrag, Anlieferung an den Messebauer und die Übergabe an die Standmannschaft. Dazu kommt, dass der Messebau Ware nur in einem begrenzten Zeitfenster vor Messebeginn annimmt.
Ein Puffer am Ende des Plans schützt gegen Verzug im Transport und gegen sonst nichts. Ein Puffer vor dem Freigabedatum schützt gegen den Vorgang, der in der Praxis am häufigsten reißt: die interne Abstimmung. Wer nur einen Puffer setzen kann, setzt ihn zwischen Musterrückmeldung und Freigabe, weil dort die Verzögerung entsteht und dort noch alle Reaktionsmöglichkeiten offen sind.
Ein Frühindikator für einen geplanten Nachlauf ist die Antwort auf eine einzige Frage: An welchem Tag und an welcher Adresse soll die Ware ankommen. Wer darauf mit dem Firmensitz und dem Veranstaltungsdatum antwortet, hat den Nachlauf noch vor sich. Wer eine abweichende Adresse und ein früheres Datum nennt, hat ihn bereits gerechnet.
Die Kapazität des Marktes folgt dem Kalender
Die Lieferzeit eines Werbeartikels ist keine Eigenschaft des Artikels, sie ist eine Auskunft über die Auslastung des Werks an dem Tag, an dem gefragt wird. Dieselbe Position kann im Frühjahr und im Herbst verschiedene Termine tragen, ohne dass sich am Produkt etwas geändert hat. Die Auslastung folgt dabei einem Muster, das sich jedes Jahr wiederholt und deshalb planbar ist.
Vier Zeiträume verengen die Kapazität regelmäßig. Das vierte Quartal bündelt Messeherbst und Weihnachtsgeschäft, und beide greifen auf dieselben Veredelungskapazitäten zu. Die Werksferien im Sommer unterbrechen die Fertigung in Europa für mehrere Wochen, und die Termine liegen je nach Region verschieden. Das chinesische Neujahrsfest schließt Werke in Fernost für mehrere Wochen; sein Termin verschiebt sich jedes Jahr und liegt im Januar oder Februar, weshalb er sich nicht aus dem Vorjahr übernehmen lässt. Und die Wochen um die großen Leitmessen einer Branche erzeugen bei allen Anbietern dieser Branche zugleich Bedarf.
Kausalkette aus der Praxis: bekannter Bedarfstermin im vierten Quartal → Bestellung im September wie im Vorjahr → das Werk ist zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelastet → die zugesagte Lieferzeit fällt länger aus als gewohnt → der Vorlauf wird gekürzt, um die Differenz auszugleichen → das Muster entfällt → die Abweichung fällt bei der Anlieferung auf → für eine Nacharbeit ist im Dezember kein Platz mehr frei.
Praktisch folgt daraus eine einfache Reihenfolge: Termine mit fester Lage werden zuerst geplant und zuerst bestellt. Am deutlichsten zeigt sich das bei Artikeln, deren Bedarfstermin im Kalender steht und keinen Tag Spielraum lässt: Ein Adventskalender als Werbegeschenk ist am zweiten Dezember wertlos, während ein Kugelschreiber eine Woche später immer noch seinen Zweck erfüllt. Wer solche Artikel im Sommer klärt, kauft in einen Markt mit freier Kapazität ein. Die Ersparnis liegt selten im Stückpreis und regelmäßig in den Kosten, die durch Express, Nacharbeit und Ersatzbeschaffung entstehen.
Die häufigsten Fehler
Die folgenden fünf Fehler betreffen den Zeitplan und nicht die Auswahl des Artikels. Sie sind nach der Höhe des Schadens geordnet, den sie an einem Termin und an einem Budget anrichten.
Ursache: Das Angebot nennt genau eine Zeitangabe, und diese Angabe wirkt vollständig. Mechanismus: Die genannte Zeit deckt den Hauptlauf ab und beginnt mit der Druckfreigabe, während der Projektplan sie ab dem Bestelldatum rechnet. Auswirkung: Die Differenz aus Vorlauf und Nachlauf fehlt im Plan von Anfang an, und sie wird am Ende mit Express, Nacharbeit oder einem verfehlten Termin bezahlt.
Ursache: Die Freigabe sieht aus wie ein formaler Haken und wird deshalb keiner Person fest zugeordnet. Mechanismus: Ohne benannten Entscheider und ohne Vertretung wartet der Vorgang auf die erste Person, die sich zuständig fühlt, und im Urlaubsfall wartet er länger. Auswirkung: Das Werk vergibt den vorgemerkten Produktionsplatz weiter, und aus einem Tag Verzögerung wird das nächste freie Fenster.
Ursache: Das Muster ist der einzige Posten im Plan, der sichtbar Tage kostet und verzichtbar aussieht. Mechanismus: Ohne Musterfreigabe wird eine Abweichung erst an der gesamten Auflage sichtbar, also nach abgeschlossener Produktion. Auswirkung: Die Reparatur braucht einen zweiten Hauptlauf, für den kein Platz im Plan und meist auch keiner im Werk mehr frei ist.
Ursache: Die Anlieferung erzeugt einen Beleg und schließt damit im Projektplan die letzte Zeile ab. Mechanismus: Zählen, Prüfen, Konfektionieren und Weitertransport sind interne Arbeit ohne Dokument und bekommen deshalb keinen Termin. Auswirkung: Die Arbeit fällt trotzdem an, und zwar am Wochenende vor dem Termin und mit Personal, das teurer eingesetzt ist als geplant.
Ursache: Ein Puffer vor dem Bedarfstermin ist leicht zu begründen und stört im Ablauf niemanden. Mechanismus: An dieser Stelle schützt er allein gegen Verzug im Transport, während die Verzögerungen im Vorlauf entstehen. Auswirkung: Der Puffer wird verbraucht, ohne dass er je gegen die tatsächliche Ursache gewirkt hat, und im Rückblick erscheint der Verzug als Pech.
Häufige Fragen
Wie viel Vorlauf braucht ein Werbeartikel-Projekt?
Diese Zahl hängt an Ihrem Haus und lässt sich nicht allgemein angeben, weil sie von Ihren Abstimmungswegen bestimmt wird und nicht vom Artikel. Sie lässt sich aber im nächsten Projekt messen: Notieren Sie den Tag, an dem die Artikelentscheidung fiel, und den Tag, an dem die Druckfreigabe erteilt wurde. Die Differenz ist Ihr Vorlauf, und nach zwei Projekten haben Sie einen belastbaren Wert für die eigene Planung. Bis dahin rechnen Sie vorsichtig, denn ein zu früher Start kostet nichts und ein zu später Start kostet den Termin.
Kann ich die Lieferzeit im Angebot als Liefertermin verstehen?
Nein, und der Unterschied ist erheblich. Eine Lieferzeit in Werktagen ist eine Rechengröße ab Druckfreigabe und sagt nichts darüber, ob das Werk in Ihrem Zeitraum Kapazität hat. Ein bestätigter Anliefertermin dagegen ist eine Aussage über ein konkretes Datum und berücksichtigt die Auslastung bereits. Verlangen Sie deshalb bei terminkritischen Projekten immer die Bestätigung eines Datums und geben Sie den gewünschten Anliefertermin im Anfragetext mit an, damit der Anbieter vor dem Angebot prüft und nicht danach.
Was bringt ein Expresszuschlag tatsächlich?
Express verkürzt Vorgänge im Hauptlauf, also auf der Strecke zwischen Freigabe und Anlieferung. Er verkürzt bevorzugt den Transport und die Wartezeit auf einen Produktionsplatz, während Rüsten, Trocknen und Kontrolle weitgehend gleich lang bleiben. Auf Vorlauf und Nachlauf wirkt er gar nicht, weil beide in Ihrem Haus liegen. Deshalb hilft Express dort, wo ein Projekt sauber vorbereitet ist und lediglich spät begonnen wurde, und er hilft kaum dort, wo die Daten noch nicht stehen. Im zweiten Fall bezahlt man einen Zuschlag für eine Strecke, die gar nicht der Engpass ist.
Wie plane ich, wenn der Bedarfstermin noch nicht feststeht?
Trennen Sie in diesem Fall die Vorbereitung von der Bestellung. Datenaufbereitung, Machbarkeitsklärung und Musterprüfung lassen sich vollständig erledigen, bevor eine Menge oder ein Termin feststeht, und sie machen den Vorlauf für alle späteren Bestellungen kurz. Bestellt wird erst, wenn Termin und Menge stehen, und dann läuft nur noch der Hauptlauf. Diese Trennung ist besonders für wiederkehrende Artikel wirksam, weil die Vorarbeit dort mehrfach genutzt wird und der Vorlauf beim zweiten Mal fast entfällt.
Ändert eine größere Menge die Lieferzeit?
Weniger stark, als die meisten erwarten, denn der zeitbestimmende Anteil liegt im Rüsten und in der Freigabe und fällt einmal an. Die reine Laufzeit der Maschine wächst mit der Menge, sie ist aber selten der längste Posten. Deutlich wirkt die Menge an einer anderen Stelle: Sie entscheidet, ob der Artikel aus dem Lager gedeckt werden kann oder ob nachproduziert werden muss, und dieser Wechsel des Beschaffungswegs verändert den Zeitplan grundlegend. Fragen Sie deshalb bei größeren Auflagen nach der verfügbaren Lagermenge und nicht nach der Lieferzeit.
Fünf Grundsätze für die eigene Praxis
Aus den vorangegangenen Kapiteln ergeben sich fünf Sätze für das nächste Projekt. Jeder von ihnen lässt sich in einer Terminabstimmung verwenden.
- 1
Der Plan beginnt beim Bedarfstermin und wird rückwärts gerechnet
Die Vorwärtsrechnung liefert ein Ergebnis, das früh genug aussieht, und verbirgt beide Enden. Die Rückwärtsrechnung liefert einen Starttermin, und wenn er in der Vergangenheit liegt, ist das die wichtigste Auskunft des Tages.
- 2
Das Freigabedatum ist der wichtigste Termin des Projekts
An ihm hängt der Produktionsplatz, und er wird weitervergeben, wenn die Freigabe ausbleibt. Deshalb bekommt dieses Datum einen Namen, eine Vertretung und einen Eintrag im Kalender beider Personen.
- 3
Vier Daten werden schriftlich verlangt
Freigabe, Produktionsende, Versand und Anlieferung. Ein Anbieter, der alle vier nennt, hat den Auftrag eingeplant, und ein Anbieter, der nur eine Spanne in Werktagen nennt, hat ihn noch nicht angesehen.
- 4
Der Puffer liegt vor der Freigabe
Am Ende des Plans schützt er allein gegen Verzug im Transport. Vor der Freigabe schützt er gegen die interne Abstimmung, und dort reißt der Plan in der Praxis am häufigsten.
- 5
Wiederkehrende Termine werden im ruhigen Halbjahr vorbereitet
Weihnachten und die Leitmesse der Branche liegen jedes Jahr fest und lassen sich Monate vorher klären. Wer die Vorarbeit dann erledigt, bestellt später in einen Markt mit freier Kapazität und braucht keinen Zuschlag, um den Termin zu halten.
Vier Daten vor der Bestellung
Wir terminieren Werbeartikel-Aufträge mit vier verbindlichen Daten: Freigabe, Produktionsende, Versand und Anlieferung. Dazu die Musterfreigabe vor der Serie und eine Auskunft darüber, ob Ihr Artikel aus dem Lager kommt oder produziert wird.
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